Ortsverein Nottuln e.V.
Technik und Sicherheit
Einsatzeinheit Nord (EE I)

August 2005 Blutspende Interview


"Können immer Nachschub gebrauchen"

Ferien sorgen für Engpass bei Blutspenden/Nächster Termin am 10. August in Schapdetten

Nottuln. Ferienzeit und Urlaubszeit - das bedeutet für den DRK-Blutspendedienst immer einen Engpass bei den Blutspenden. In einem WN-Interview gibt Claudia Müller, Pressesprecherin im Institut für Transfusionsmedizin Münster des DRK-Blutspendedienstes West, Auskunft über dieses Problem und die aktuelle Situation. Der nächste Blutspendetermin des DRK in der Gemeinde Nottuln ist am kommenden Mittwoch (10.August) in Schapdetten. Im Pfarrzentrum Bonifatius können Bürger im Alter von 18 bis 68 Jahren in der Zeit von 16:30 bis 20:30 Uhr Blut spenden.

Claudia Müller

WN: 'Uni-Klinik braucht Blut' meldeten die WN letztens - der Blutspendedienst auch?

Müller: Ja, auch der Blutspendedienst des Roten Kreuzes braucht Blut. Wir versorgen die weitaus meisten Krankenhäuser im Münsterland mit Blutprodukten. Natürlich wird auch in den Ferien Blut gebraucht.

WN: Die Lücken bei der Versorgung von Patienten mit Blut, die sich zu Ferienzeilten regelmäßig auftun, sind vorhersehbar. Lässt sich dieser Engpass nicht vermeiden?

Müller: Nein. Die klassische Blutkonserve, das Konzentrat roter Blutkörperchen, ist nur sechs Wochen lang haltbar. Doch wegen des hohen Bedarfs bleibt eine Blutkonserve eh nur wenige Tage in unserem Lager und landet dann umgehend an einem Patientenbett. Wir brauchen ständig Nachschub und organisieren jeden Tag im Münsterland und in Ostwestfalen-Lippe zehn bis zwölf Blutspendeaktionen. Natürlich ist absehbar, dass das in den Ferien schwieriger wird, weil dann viele Blutspender in Urlaub fahren.

WN: Bei welcher Blutgruppe oder bei welchen Blutgruppen ist der Engpass zurzeit besonders groß?

Müller: Besonders begehrt ist Blut der Blutgruppe 0 Rhesus negativ, denn es kann universell für jeden Patienten verwendet werden.

WN: Warum gerade 0 Rhesus negativ?

Müller: Weil es für 100 Prozent der Patienten verwendet werden kann, aber nur sechs Prozent der Bevölkerung diese Blutgruppe haben.

WN: Wie sieht es mit der Spendenbereitschaft der Bürger aus? Hat sie in letzter Zeit nachgelassen, oder Ist sie eher gestiegen?

Müller: Ich denke, die theoretische Spendenbereitschaft ist ziemlich hoch. Viele Menschen äußern in Umfragen, dass sie Blut spenden wichtig und gut finden. Das Problem besteht darin, diese Überzeugung in Handeln umzusetzen. Die tatsächlichen Blutspenderzahlen sind aber in vielen Orten gesunken.

WN: Gibt es Monate/Zeiten, in denen die Bereitschaft, Blut zu spenden, besonders groß ist?

Müller: Ja. Die Bereitschaft, Blut zu spenden ist immer dann besonders groß, wenn sich spektakuläre Katastrophen ereignen. Ganz prägnant war das zum Beispiel beim ICE-Unglück in Eschede. Aber auch um die Jahreswenden, als der Tsunami die Schlagzeilen beherrschte. Leider passieren jeden Tag viele kleine Katastrophen. Die machen keine Schlagzeilen, erfordern aber Hilfe, auch in Form von Bluttransfusionen.

WN: Für welche Patienten werden die Spenden benötigt?

Müller: Das Spektrum ist vielfältig. In seltenen Fällen bekommen schon Embryos im Mutterleib Bluttransfusionen. Manchmal wird Blut für Frühgeborene gebraucht. Und dann geht es durch alle Altersgruppen und die unterschiedlichsten Erkrankungen. Sehr häufig sind Bluttransfusionen im Rahmen von Krebsbehandlungen erforderlich, wenn zum Beispiel bei einer Chemotherapie die Blutbildung des Patienten gestört wird.

WN: Wer darf überhaupt Blut spenden?

Müller: Im Prinzip jeder, der zwischen 18 und 68 Jahre alt ist und sich gesund fühlt.

WN: Gibt es eine Be- oder Entlohnung für Blutspender?

Müller: Das Rote Kreuz setzt seit über 50 Jahren auf die unentgeltliche Blutspende. Eine Belohnung gibt es aber doch: Jeder Blutspender bekommt einen Blutspendeausweis mit seiner Blutgruppe. Das Blut wird untersucht. Und nicht zu vernachlässigen ist das gute Gefühl, das man nach der Blutspende hat. Es steigert das persönliche Wohlbefinden, wenn man etwas Sinnvolles für andere tut.

WN: Ist Blutspenden mit irgendwelchen Risiken verbunden?

Müller: Ja, deshalb suchen wir sorgfältig aus, wer Blut spenden darf und wer nicht. Wenn die Gefahr besteht, dass der potenzielle Blutspender sich selbst mit der Blutspende schadet, werden wir ihn nicht zur Spende zulassen. Infektionsgefahren bestehen nicht, da wir nur sterile Einmal-Nadeln benutzen. Wie bei jedem medizinischen Eingriff gibt es natürlich eine bestimmte Verletzungsgefahr, die allerdings sehr gering ist. Jeder Blutspender wird sorgfältig informiert und auf mögliche Risiken hingewiesen.

WN: Ist Blut als Therapiemittel zu ersetzen? Gibt es Forschungen in dieser Richtung?

Müller: Es gibt seit Jahrzehnten Forschungen in diese Richtung. Man hat zum Beispiel versucht, den roten Blutfarbstoff aus Rinderblut zu gewinnen und für Menschen einsetzbar zu machen. Bislang sind alle Entwicklungen gescheitert, weil die Nebenwirkungen nicht akzeptabel waren.

Westfälische Nachrichten, 6. August 2005